Methode allein ist keine Bewertung. Fachliche Würdigung entscheidet.

Sachverstand

Eine Bewertungsmethode schafft Struktur. Sie ordnet Daten, Ansätze und Rechenschritte. Sie ersetzt keine Sachkunde. Eine Methode kann formal richtig angewendet...

Eine Bewertungsmethode schafft Struktur.

Sie ordnet Daten, Ansätze und Rechenschritte.

Sie ersetzt keine Sachkunde.

Eine Methode kann formal richtig angewendet werden.

Das Ergebnis kann trotzdem unzutreffend sein.

Entscheidend ist, ob die verwendeten Daten geeignet sind, die Ansätze den Marktbedingungen entsprechen und die wertbeeinflussenden Merkmale des konkreten Objekts sachgerecht eingeordnet werden.

Sachkunde beginnt dort, wo die Methode allein nicht weiterführt.

Der Sachverständige muss erkennen, welche Informationen belastbar sind.
Er muss Widersprüche identifizieren.
Er muss Besonderheiten des Objekts würdigen.
Er muss die Grenzen der Datenbasis kennen.
Er muss beurteilen, wie sich diese Punkte auf den Wert auswirken.

Bei Investmentimmobilien reicht die Anwendung eines Rechenmodells nicht aus.

Cashflow, Mietvertragsqualität, Leerstandsrisiko, Capex-Bedarf, Drittverwendungsfähigkeit, Standortqualität, Finanzierung, ESG-Anforderungen und Exitfähigkeit wirken zusammen.

Jeder Faktor kann den Wert beeinflussen.

Keiner lässt sich isoliert beurteilen.

Ein marktüblicher Mietansatz kann für das konkrete Objekt unpassend sein.

Ein rechnerisch plausibler Liegenschaftszins kann die Risikostruktur verfehlen.

Eine lange Mietvertragslaufzeit kann durch eine schwache Bonität des Mieters relativiert werden.

Ein stabiler Cashflow kann durch hohen Investitionsbedarf belastet sein.

Eine gute Lage ersetzt keine eingeschränkte Drittverwendungsfähigkeit.

Die Methode zeigt, wie gerechnet wird.

Sachkunde entscheidet, was angesetzt, gewichtet und begründet werden kann.

Bewertung ist deshalb mehr als Verfahrensanwendung.

Sie verlangt Marktkenntnis.
Sie verlangt Objektverständnis.
Sie verlangt rechtliche und wirtschaftliche Einordnung.
Sie verlangt Erfahrung.
Sie verlangt fachliche Würdigung.

Automatisierte Modelle können einzelne Rechenschritte beschleunigen.

Sie können Daten ordnen und Hinweise liefern.

Die fachliche Beurteilung des Einzelfalls übernehmen sie nicht.

Ein belastbarer Wert entsteht erst, wenn Methode und Sachkunde zusammenwirken.

Die Methode schafft Nachvollziehbarkeit.

Die fachliche Würdigung schafft Tragfähigkeit.

Für Auftraggeber ist diese Unterscheidung wesentlich.

Nicht jede formal richtige Berechnung ist eine belastbare Bewertung.
Nicht jedes Modell bildet den Markt ab.
Nicht jedes Ergebnis hält einer sachverständigen Prüfung stand.

Sachkunde ist deshalb kein Zusatz zur Methode.

Sie ist die Voraussetzung für ihre richtige Anwendung.

Methode allein ist keine Bewertung.

Fachliche Würdigung entscheidet.

Genau darin liegt die Aufgabe des Sachverständigen.

Ronny Kazyska an einem Konferenztisch mit Immobilienplänen in einem repräsentativen Hochhausinnenraum in Frankfurt zum Grundsatz Sachkunde in der Immobilienbewertung.